Wie wir gelernt haben, verursachen Erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Windenergie und Solarenergie fast keine Treibhausgase. Trotzdem sind sie nicht ganz frei von Schwächen in Bezug auf Nachhaltigkeit. Höchste Zeit also, sich mit dem umstrittenen Thema Atomkraft auseinanderzusetzen.

Über Jahrzehnte machen wir uns nun Gedanken über pro und contra Argumente rund um die Kernkraft. Dabei spielt natürlich auch die Kostenfrage mit rein. Schauen wir uns mal die Argumente in Bezug auf die Nachhaltigkeit von Atomenergie an.

Wie funktioniert Atomkraft?

Atomkraft – oder auch Kernenergie – entsteht in der Regel in sogenannten Leichtwasserreaktoren. Diese erhitzen das enthaltene Wasser durch eine künstliche Kettenreaktion. Und das funktioniert vereinfacht ausgedrückt so:

Man beschießt Uran mit Neutronen. Dadurch wird der Atomkern instabil und spaltet sich in mehrere Kerne auf und setzt Energie in Form von Strahlung frei. Diese Strahlung erhitzt das Wasser im Reaktor, wodurch Wasserdampf entsteht. Währenddessen spalten die Neutronen weiterhin die Atomkerne.

Der Wasserdampf treibt eine Turbine an, die an einen Generator angeschlossen ist. Und dieser erzeugt den Strom. Ein Kondensator verflüssigt den Wasserdampf wiederum, so dass das Wasser erneut im Reaktordruckbehälter genutzt werden kann.

Atomkraftwerk
Quelle: tagesschau.de

Wer hat Kernenergie erfunden und wann wurde Atomkraft erfunden?

Im Jahr 1938 fanden die deutschen Chemiker Otto Hahn und Fritz Straßmann heraus, wie man die Kernspaltung von Uran vornehmen kann. Die Erkenntnisse wollte sich die militärische Forschung während des Zweiten Weltkriegs zunutze machen.

1951 konnte man in den USA erstmals mit einem Versuchsreaktor Elektrizität erzeugen. Sechs Jahre später wurde das erste Atomkraftwerk in Deutschland in der Nähe von München in Betrieb genommen.

Das nachfolgende Video von „Dinge erklärt – kurz gesagt“ erklärt die Historie und Funktionsweise von Atomkraft ebenfalls sehr anschaulich.

Welche Länder nutzen Kernenergie und wo gibt es Atomkraftwerke in Deutschland?

Im Jahr 2020 befinden sich in den USA 95 betriebsbereite Kernkraftwerke. In Deutschland sind nur noch 6 Stück aktiv (1x Schleswig-Holstein, 2x Niedersachsen, 1x Baden-Würtemberg, 2x Bayern). Diese sollen bis Ende 2022 stillgelegt werden.

Statistik: Anzahl der betriebsfähigen* Reaktoren in Kernkraftwerken weltweit nach Ländern im Juli 2020 | StatistaQuelle: Statista

Warum will Deutschland den Atomausstieg?

Der Slogan „Atomkraft – nein danke!“ hat eine längere Historie: Die erste Atomkraft-Gegenbewegung gab es in den 1970er-Jahren. Sie hängt vor allem damit zusammen, dass man Kernenergie auch militärisch in Form von Atombomben einsetzen kann.

Atomkraft
Foto: Gerd Altmann (Pixabay)

Und ab dem Jahr 2003 wurden in Deutschland die ersten Atomkraftwerke abgeschaltet. Nach der Kernschmelze von Fukushima im März 2011 nahm das Thema dann noch einmal richtig Fahrt auf. Noch im selben Jahr wurden gleich acht Reaktoren Still gelegt. Zu stark blieben die Bilder der Folgen, einschließlich der wochenlang wiederkehrenden radioaktiven Wolken in und um Fukushima in den Köpfen der Menschen hängen.

Der Grund, weshalb Deutschland so hektisch aus der Atomkraft aussteigen will, ist aus meiner Sicht vor allem emotional geprägt. Das sieht man auch daran, dass die Umfragewerte und Wahlergebnisse der Grünen im Jahr des Unglücks erheblich angestiegen sind. So stellen beispielsweise die Grünen seit 2011 erstmalig einen Ministerpräsidenten in Baden-Würtemberg. Zugegeben: Das ist meine persönliche Interpretation.

Andere Länder wie die USA, Frankreich, China und Russland sehen das ganz anders. Dort ist die Kernenergie nämlich ein wachsender Markt.


Atomkraft – Contra Argumente

Natürlich wird die Debatte um Atomenergie hierzulande nicht ausschließlich auf der Gefühlsebene geführt. Denn es gibt auch ganz rationale Argumente, die gegen Atomenergie sprechen.

Atomkraft kann gefährlich sein

Weltweit kommt es immer wieder zu Naturkatastrophen. So kam es auch in Fukushima in 2011 durch ein Erdbeben und einen Tsunami zum GAU (größter anzunehmender Unfall). Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit von Erdbeben aufgrund der Konstellation der tektonischen Platten in Japan besonders hoch. Insofern ist die Frage berechtigt, warum man in dieser Lage Kernkraftwerke gebaut hat.

Trotzdem kann eine Kernschmelze auch in Regionen passieren, in denen Naturkatastrophen unwahrscheinlicher sind. Das zeigt sich am Beispiel von Tschernobyl im Jahr 1986. Hier war der Auslöser ein Experiment am Turbinengenerator. In Tschernobyl ist der Super-GAU also rein durch menschliches Versagen entstanden.

Dadurch stellt sich eine weitere – hoffentlich nur hypothetische – Frage: Sind Atomkraftwerke ausreichend vor Terrorangriffen geschützt?

Endlagerung radioaktiver Abfälle

Nach fünfjähriger Benutzung müssen die Brennelemente der Atomkraftwerke ausgetauscht werden. Weil sie von da an noch radioaktiv sind, müssen sie zunächst noch 40 Jahre lang zwischengelagert werden, bis sie ausreichend abgekühlt sind. Um sie endlagerfähig zu machen, müssen sie entsprechend verpackt werden.

Je mehr Atomenergie wir produzieren, desto mehr radioaktive Abfälle entstehen. Wohin mit dem ganzen Atommüll? – Dazu später mehr.

Atomkraft ist kaum regelbar

Kernkraftwerke liefern permanent große Mengen an Energie. Während Kohlekraftwerke beispielsweise bedarfsweise Elektrizität produzieren können, läuft ein Atomkraftwerk auch dann, wenn die Energie gerade nicht benötigt wird. Theoretisch könnte man bei wenig Energiebedarf die Stromproduktion abschalten. Dies ist aber nicht gut für den Reaktor und die Brennstäbe.

Atomkraft – Pro Argumente

Es gibt genug Alternativen, um Strom zu erzeugen. Warum also sollte man auf eine Technologie setzen, die ein solches Gefahrenpotential hat und zudem radioaktive Abfälle verursacht?

Kernkraft ist klimafreundlich

Schaut man sich den gesamten Lebenszyklus eines Kernkraftwerkes an, so wird deutlich, dass Kernenergie in Bezug auf die Freisetzung von Treibhausgasen problemlos mit den Erneuerbaren Energien mithalten kann. Das bestätigt auch der Weltklimarat. Natürlich ist Atomkraft nicht ganz klimaneutral. Denn die Erzaufbereitung, der Abbau von Uran und das Herstellen der Brennelemente sind nicht machbar, ohne Kohlenstoffdioxid freizusetzen.

Außerdem wird für ein Atomkraftwerk nur wenig Fläche benötigt. Und weil Uran eine so große Energiedichte hat, werden auch verhältnismäßig wenig Rohstoffe benötigt.

Kernkraftwerke können Atommüll wiederverwenden

Ein verbrauchter Brennstab muss nicht zwangsläufig endgelagert werden. Man kann sie nämlich nach dreijähriger Abkühlung zerlegen und wiederverwerten. So entsteht aus dem Atommüll zu 95 % Uran und 1 % Plutonium. Nur 4 % bleiben für die Endlagerung übrig. So wird beispielsweise in Frankreich 10 % des Stroms durch recycelten Atommüll produziert.

Näheres dazu erfährst Du in diesem Video von DW Deutsch:

Atomenergie ist sicherer als fossile und teilweise Erneuerbare Energien

Bei Kernenergie denken wir automatisch an Radioaktivität und verschiedenste Krankheiten, die durch Strahlung verursacht werden können. Ein solches Szenario versetzt die meisten Menschen in Angst und Schrecken.

Doch schauen wir uns die Fakten an:

Einem Bericht von DW.com zufolge sterben beispielsweise in der EU jährlich rund 23.000 Menschen an den Folgen von Kohlekraft allein durch die Abgase. Dieses Problem existiert bei der Atomkraft nicht.

Der Tagesspiegel erläutert, wie viele Menschen durchschnittlich pro 10 Milliarden Kilowattstunden durch die jeweiligen Energieerzeuger sterben:

  • Atomkraft: 0,2 – 1,2 (Hauptursachen: Uranabbau und Nuklearkatastrophe von Tschernobyl)
  • Gas: 0,3 – 1,6
  • Kohle: 2,8 – 32,7 (Luftverschmutzung und Minenunglücke)
  • Wasserkraft: 1,0 – 1,6

Deshalb äußert sich der international anerkannte Spezialist für Strahlenkrankheiten, Robert Peter Gale, wie folgt zur Sicherheit von Kernenergie: „Die am schwersten wiegenden Langzeitfolgen eines Atomunfalls sind meist nicht medizinischer, sondern politischer, ökonomischer und psychologischer Natur“.

Atomstrom Kosten

Ob Atomstrom nun günstiger oder teurer ist als andere Energien: Darüber streiten sich die Gelehrten. Eine Vielzahl von Studien kommt zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Da die Kosten des erzeugten Stroms zudem nicht die Frage nach der Nachhaltigkeit von Atomenergie beantworten, bleibt dieses Kriterium bei der Betrachtung von pro- und contra-Argumenten außen vor.

Atomkraft pro und contra – Und was ist nun das Ergebnis?

Es gibt kein Ergebnis, von dem alle überzeugt sein können. Die Frage, ob Kernenergie ein Muss-Bestandteil vom Strommix der Zukunft sein sollte, kann nur jeder einzelne nach seinen persönlichen ethischen Wertvorstellungen beantworten.

Fassen wir zusammen:

  • Atomkraft ist relativ klimafreundlich.
  • Die Abfälle sind zum Großteil wiederverwertbar.
  • Atomkraftwerke sind sicherer als viele denken.
  • Wir können die Gefahr eines Super-GAUs nicht ausschließen.
  • Trotz Recycling-Möglichkeiten bleiben Endlager notwendig.
  • Atomstrom ist kaum regelbar.

Trotz meiner Recherchen für diesen Beitrag habe ich mir noch nicht abschließend eine Meinung bilden können, ob ich den Einsatz von Atomkraft befürworte oder – à la Kohlekraft – verurteilen soll.

Falls Du Dich außerdem für die Funktionsweise sowie Vor- und Nachteile von Solarenergie und Windenergie interessierst, lies meine zugehörigen Artikel:

Erneuerbare Energien

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