Der größte Nachteil, den regenerative Energien gegenüber den fossilien Brennstoffen haben: Sie sind nicht nach Bedarf abrufbar! Gibt es keinen Wind, erzeugen Windkrafträder keinen Strom. Scheint die Sonne nicht, gibt es keine Solarenergie. Ist das wirklich der Fall? – Nein! Die Lösung heißt Solarthermie aus der Wüste. Der Strom aus der Wüste ist günstig, CO2-frei und vor allem regelbar. Außerdem bringt er soziale Vorteile mit sich.

Regenerative Energien – Das ist Solarthermie

Damit Solarenergie immer und überall abrufbar ist, brauchen wir zwei Dinge: Eine Schön-Wetter-Garantie und sogenannte Solar-Electricity-Piplelines. Konkret heißt das, wir bauen in Nordafrika Sonnenkollektoren auf. Diese speichern die Energie, veredeln sie in einem Kraftwerk und transportieren sie über 3.000 km lange Pipelines mit 600.000 Volt Gleichspannung nach Europa.

So funktioniert Solarthermie

Wie das solarthermische Kraftwerk funktioniert, kann ich leider nur so genau erklären, wie ich es selber verstehe. Genaueres kannst Du einem Artikel von Volker Quaschning entnehmen: Die Kollektorfelder bestehen aus Spiegeln, die das Licht auf Rohre fokussieren. In diesen Rohren befindet sich eine Flüssigkeit, die dadurch aufgeheizt wird. Der Wärmetauscher presst den daraus entstanden Wasserdampf über eine Turbine. Und daraus entsteht der Strom.

Solarthermie
Quelle: www.volker-quaschning.de

Das Gute dabei ist: Diese Art der Stromerzeugung ermöglicht die Speicherung der Energie. Nämlich dadurch, dass die Flüssigkeit mit geringem Energieverlust aufbewahrt werden kann. Benötigen wir also in der Nacht Strom, bekommen wir ihn durch die Flüssigkeit, die sich in diesem Moment abkühlt.

Der Ursprung der Solarthermie aus der Wüste liegt in dem Konzept "DESERTEC" aus dem Jahr 2003. DESERTEC hatte das Ziel, Ökostrom aus energiereichen Standorten in der ganzen Welt zu erzeugen. Die Vision aus dem Jahr 2003 ist jetzt zu einem konkreten Projekt gereift. Wir müssen es nur noch umsetzen.

Regenerative Energien – Solarthermie ist von A bis Z durchdacht

Wenn wir nur wollten, könnten wir das Projekt sofort umsetzen. Natürlich gibt es Herausforderungen. Aber dafür gibt es bereits Lösungen:

Wer in der Sahara ein Kraftwerk betreiben will, braucht dafür Menschen. Und die haben Durst. Außerdem müssen die Spiegel der Kollektorfelder gereinigt werden. Wo bekommt man also mitten in der Sahara Wasser für Leute und Reinigung her?

Solarthermie – Für Wasser ist gesorgt

Für den Betrieb benötigen wir deshalb Meerwasserentsalzungsanlagen. Ein Teil der produzierten regenerativen Energien sind demnach für die Meerwasserentsalzung und den Transport des erzeugten Trinkwassers aufzuwenden. Und wenn wir schon mal eine Entsalzungsanlage gebaut haben, können wir die Umgebung gleich mitversorgen.

Ein positiver Nebeneffekt: Das Wasser tropft von den Spiegeln auf den Boden. Dadurch wächst Gras. Man könnte das Ganze also sogar um eine Weidewirtschaft erweitern. Es werden auf jeden Fall Arbeitsplätze geschaffen.

Solarthermie – Die Vorteile auf den Punkt gebracht

Ich fasse die Vorteile bis hierhin schon einmal zusammen:

  • Wenn man im großen Stil Kollektorfelder aufstellt, können wir regenerative Energien im Gigawatt-Maßstab erzeugen.
  • Es wird ein Stück Land genutzt, das sonst keiner braucht.
  • Es muss eine Meerwasserentsalzungsanlage gebaut werden, die der ganzen Region zugute kommt.
  • Der Betrieb der Anlage schafft Arbeitsplätze. Er stellt eine dauerhafte Geldquelle für Marokko dar. Das dürfte politisch und sozial für mehr Stabilität sorgen.

Das Buch "Wenn nicht jetzt, wann dann? - Handeln für eine Welt, in der wir leben wollen" von Harald Lesch und Klaus Kamphausen hat mich zu diesem Artikel inspiriert.

HGÜ-Leitungen für Solarthermie aus der Wüste

Wie können wir es bewerkstelligen, dass die gesammelte Energie aus Nordafrike nun alle Teile Europas erreicht? Die Antwort: Leitungen für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Nur damit ist es möglich, den Strom durch das Mittelmeer zu bringen. Diese HGÜ-Leitungen können beispielsweise an stillgelegte Atomkraftwerke angeschlossen und völlig regelbar vor Ort eingesetzt werden.

Regenerative Energien
Bild von pixelRaw auf Pixabay

Solarthermie – Regenerative Energien auf Abruf

Aktuell ergänzen wir hierzulande den Ökostrom aus Windkraft oder Fotovoltaik um Energie aus fossilen Brennstoffen oder Atomenergie aus dem Ausland. Das ist erforderlich, weil wir nun mal auch dann Strom brauchen, wenn gerade mal nicht die Sonne scheint oder der Wind weht.

Solarthermie aus Nordafrika könnte diese ergänzende Energiequelle ersetzen. Das bedeutet: Liefert die hauseigene Fotovoltaikanlage ausreichend Strom, kommt weniger aus Marokko. Kommt weniger aus dem eigenen Netz, übertragen die HGÜ-Leitungen mehr. Und das funktioniert von jetzt auf gleich.

Solarthermie – Alles nur Theorie?

Wo sind die Nachteile? Es muss doch einen Haken geben! Ist Solarthermie vielleicht nur auf dem Papier möglich und gar nicht praktikabel? – Nein! Es gibt Erfahrungen dieser Form von Regenerativen Energien. In Spanien gibt es bereits Solarthermische Kraftwerke. Und sie funktionieren – mit einer Einschränkung: Sie sind weniger effizient. Einfach aus dem Grund, dass es in Marokko noch mehr Sonnenstunden gibt.Regenerative Energien

HGÜ-Leitungen sind übrigens auch keine Weltneuheit. Zum Großteil werden sie für die Übertragung von Wasserkraft oder Geothermie eingesetzt. Auch hier sprechen wir von mehreren tausend Kilometern. Und ebenfalls Verbindungen durch den Ozean.

Trotzdem befindet sich die Solarthermie erst in den Kinderschuhen. Ähnlich wie bei der Einführung der Fotovoltaik gibt es auch hier noch ein erheblichen Leistungspotenzial.

Regenerative Energien – Die Kosten für Solarthermie

Die Kosten hängen natürlich von der Größe des Kraftwerks ab. Gehen wir mal von 3 Gigawatt Leistung aus. So viel produziert ein Atomkraftwerk: Dafür haben die Wissenschaftler ca. 30 Milliarden Euro geschätzt. Das sind übrigens nur rund 70 % von dem, was ein vergleichbares Atomkraftwerk kosten würde. Und dabei sind die Kosten für die Lagerung von radioaktivem Müll noch unberücksichtigt. Auch Kohlekraftwerke sind nicht billiger zu haben.

Deshalb hat sich Solarthermie noch nicht etabliert

Obwohl die Gesamtinvestition für ein solarthermisches Kraftwerk unterhalb der Investition für ein Kohle- oder Atomkraftwerk liegt, ist gerade die Finanzierung das Hauptproblem. Denn die Ingenieure bauen bereits von Beginn an alle Kollektoren mit auf. Das kostet wiederum Kredit-Zinsen. Und versichert werden müssen sie auch noch.

Da das Risiko der Investition in vollem Umfang beim Entwickler bleibt, wirkt sich das auf die Höhe der Zinsen aus.

Solarthermie gilt eben noch nicht als sichere Investition. Deshalb sind die Darlehenszinsen höher als bei einem Kohle- oder Atomkraftwerk. Am Ende ist es also nur deshalb teurer, weil das bereitzustellende Kapital höhere Kosten erfordert.

Aufgrund der hohen Anzahl an Sonnenstunden eignet sich nicht nur Marokko, sondern auch viele andere afrikanische Staaten. Für sie alle wären solarthermische Kraftwerke eine große Chance. Sie alle könnten von der Energiewende profitieren. Es müsste Ihnen nur jemand finanziell unter die Arme greifen.

Eines ist jedenfalls klar: Solarthermie aus der Wüste würde den weltweiten CO2 Ausstoß drastisch minimieren. Es wäre ein Projekt, das endlich mal für alle Beteiligten Vorteile bringt.

Nicht alles, was uns in unserem Stromtarif als Ökostrom verkauf wird, ist auch wirklich sauberer Strom. Erfahre dazu mehr in meinem Beitrag „Ökostrom – Leider alles andere als saubere Energie“. 

 

    2 replies to "Regenerative Energien – Solarthermie aus der Wüste rettet die Umwelt"

    • Christoph

      Sehr guter Beitrag!

      Interessant finde ich auch, dass sich viele private Hausbesitzer für Photovoltaikannalge interessieren, nicht (mehr) für thermische Solaranlagen. Dabei macht heutzutage der Stromverbrauch einen sehr kleinen Teil aus. Die Wärmeenergie für Heizen und Warmwasser bedeutlich mehr …

      Solarthermie muss in Zukunft meiner Meinung nach besser beworben und auch gefördert werden.

      lg Christoph

      • Umweltretter

        Hallo Christoph!
        Besten Dank für Deinen Kommentar. Ich bin ganz Deiner Meinung.
        Grüße
        Simon

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