Plastik im Meer – Niemand weiß, wie viel es wirklich ist

Plastik im Meer

Über Jahrzehnte hinweg hat sich im Meer eine riesige Menge Plastik angesammelt. Wissenschaftler und Umweltorganisationen schätzen, dass jährlich ca. 10 Millionen Tonnen hinzukommen. Das führt zu Massensterben von Meeresbewohnern und Seevögeln. Und weil die Zersetzung von Plastik mehrere Hunderte Jahre andauert, wächst die Plastikflut immer weiter. Es finden sich riesige Müllstrudel im Ozean. Doch auch dort, wo es nach klarem Wasser aussieht befindet sich tonnenweise unsichtbares Plastik.

Wie viel Plastik ist im Meer?

Die Frage, wie viele Tonnen Plastik im Meer sind, lässt sich vor allem wie folgt beantworten: Es sind mehr, als wir bisher angenommen haben. Denn einem Artikel von MDR-Wissen zufolge wurden in früheren Studien bei der Berechnung der Gesamtmenge die Mikroplastik-Partikel außen vor gelassen. Diese sind nämlich nicht sichtbar.

Plastik im Meer – Schätzungen liegen weit auseinander

Die Frage nach der Plastikmenge ist nicht mit Sicherheit zu beantworten. Die Wissenschaftler können sich lediglich an gewisse Zahlen annähern. Die Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Studie über die Plastikmenge auf den oberen 200 Metern des Atlantischen Ozeans.

Das Ergebnis der Studie: Es schwimmen 12 bis 21 Millionen Tonnen Plastik allein in der oberen Schicht des Atlantiks. Einberechnet ist auch Mikroplastik ab einer Größe von 25 Mikrometern. Unterstellen wir nun, dass die Plastikkonzentration im gesamten Atlantik gleich groß ist, wären es insgesamt 200 Millionen Tonnen. Untersucht wurden lediglich Polyethylen, Polypropylen und Polystyrol. Diese Plastiktypen machen aber nur 50 % des weltweiten Kunststoffmülls aus.

Plastik im Meer

Bild: Lucien Wanda (Pexels)

150 Mio. Tonnen Plastik in den Meeren – wahrscheinlich aber viel mehr

Übertragen wir die Zahl aus dem Atlantik auf alle Weltmeere, können wir davon ausgehen, dass das Gesamtgewicht des Plastikmülls im Meer allemal eine Milliarde Tonnen übersteigt. Achtung! Das ist nur meine unwissenschaftliche Hochrechnung. Einer Infografik des Europäischen Parlaments zufolge landen aktuell jährlich 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastik im Meer. Das Gesamtgewicht von allem Plastik in den Weltmeeren liegt demzufolge bei 150 Millionen Tonnen.

Was verursacht Plastik im Meer?

Um zu klären, wie die Kunststoffabfälle im Meer landen, brauchen wir weitere Antworten: Wer produziert Plastik und wer wirft es weg? Und wie gelangen die Kunststoffe in die Meere?

Alles über Plastik im Meer erfährst Du in meinem Video und in diesem Beitrag unterhalb des Videos.

 

Wer stellt am meisten Plastik her?

Greenpeace hat im Jahr 2018 eine Aktion gestartet, in der die Beteiligten die weltweiten Plastikabfälle im Meer analysiert haben. Dabei kam heraus, dass stolze 14 % davon von Coca Cola, Pepsi oder Nestle stammen. Dabei fanden die Helfer hauptsächlich

  • Lebensmittelverpackungen (z. B. Chipstüten und an andere Verpackungen von Süßwaren),
  • Getränkeflaschen und
  • plastiklaminierte Kaffeebecher.

Aus welchen Ländern kommt am meisten Plastikmüll?

Jeder Deutsche produziert pro Jahr durchschnittlich über 80 kg Plastikmüll. Nur die Einwohner der USA, des Vereinigten Königreichs und Koreas produzieren laut forbes.com mehr.

Plastikproduzenten

Quelle: forbes.com

Plastik im Meer – Recyclingquote ist zu gering

Um zu verstehen, wie die Abfälle nun in den Ozean gelangen, musst Du das Recycling-System verstehen: In Deutschland gibt es beispielsweise seit den 1990er Jahren Mülltrennung. Andere Länder haben über die Jahre hinweg nachgezogen. Auch dort ist der Anspruch entstanden, Plastik und andere Wertstoffe wiederzuverwerten.

CO2 Fußabdruck reduzieren

Dieses System ist enorm wichtig, damit nicht sämtliche Abfälle gnadenlos verbrannt werden und noch mehr neues Plastik produziert werden muss. Die Wiederverwendung von Kunststoffen funktioniert aber nur bedingt. Denn auf der Seite des Europäischen Parlamentes heißt es: Europaweit werden gerade einmal 30 % aller Plastikabfälle recyclet. Der Rest landet auf der Mülldeponie oder wird verbrannt.

Und solange Plastik verbrannt wird, kann es wenigstens nicht im Meer landen. Zumindest in Deutschland nutzt man die daraus entstehende Energie für Zementwerke als Energielieferant oder zur Erzeugung von Strom und Fernwärme in Müllverbrennungsanlagen. Etwa die Hälfte der gesammelten Kunststoffe exportieren wir in Länder außerhalb der EU. Und genau an dieser Stelle erfolgt der Startschuss für einen Großteil des Plastiks, das im Meer landet.

Wie kommt Plastik in die Meere?

Es gibt nämlich drei Wege, wie die Meeresverschmutzung durch Plastik entsteht. Einerseits indem die Menschen ihre Abfälle auf den Boden oder sogar direkt ins Wasser werfen. Und andererseits durch den Export von Plastikmüll. Eine dritte Variante ist das sogenannte „Primäre Mikroplastik“

Exportierter Müll landet zum Teil im Ozean

Wir haben in Deutschland keine ausreichenden Kapazitäten, um unsere Plastikabfälle vollständig zu recyceln. Das Gleiche gilt für die USA und die anderen „Top-Müllproduzenten“. Deshalb verkaufen wir unsere Abfälle ins Ausland.

Auf offiziellem Wege exportieren wir an zertifizierte Betriebe. Eine Menge landet aber auch auf Recyclinghöfen, die nicht zugelassen sind und es nicht so genau mit der Wiederverwertung nehmen.

Über die Jahre und Jahrhunderte zersetzen das Meer und die UV-Strahlung die Kunststoffe in sogenanntes „sekundäres Mikroplastik“. Sobald also aus den Plastikteilen Mikroplastikpartikel geworden sind, können wir sie nicht mehr mit dem bloßen Auge erkennen. Das Plastik befindet sich immer noch im Meer, aber wir sehen es nicht. Demgegenüber steht das „primäre Mikroplastik“, das sich beispielsweise in Kosmetikartikeln findet. Es ist von Beginn an winzig klein und gelangt durch die Kanalisation durch Flüsse ins Meer. Erfahre mehr darüber in meinem Artikel „Mikroplastik – Ein Problem, das niemand sieht“.

 

Der exportierte Müll soll in Entwicklungsländern verarbeitet werden, deren Abfallwirtschaft rückständig ist. Diese Länder – wie Malaysia und Indonesien – haben es schon schwer, ihren eigenen Müll zu entsorgen. Dazu müssen sie noch den Müll der ganzen Welt verarbeiten. Denn nicht nur Deutschland exportiert seine Reste dorthin.

Obwohl eine Menge von dem Plastik durchaus wiederverwertbar ist, wird es deshalb verbrannt oder gelangt durch Wind und Regengüsse ins Meer. Du kannst es Dir buchstäblich so vorstellen, dass diese Inselstaaten im Müll versinken. Auf diese Weise findet das Plastik entweder gar nicht erst den Weg auf die Müllhalden. Oder es gelangt von den Müllhalden über Flüsse oder durch Windverwehungen ins Meer.

Plastik im Meer durch Schifffahrt und Tourismus

Laut Umweltbundesamt sind weltweit 90.000 Schiffe auf den Meeren unterwegs. Nicht jede Besatzung hält sich an die Regeln. Wo sich Menschen aufhalten, da entsteht Abfall. Leider wird dieser Abfall nicht immer mit an Land genommen.

Außerdem kommt es immer wieder zu Verlusten von Fischernetzen, die deshalb durch die Meere treiben.

Plastik im Meer

Darüber hinaus lassen Strandtouristen ihre Abfälle liegen, anstatt sie ordnungsgemäß zu entsorgen. Der Wind weht den Müll ins Meer – und schon ist der Ozean wieder um ein paar Kilo Plastik „reicher“.

Primäres Mikroplastik landet im Meer

Plastikprodukte, die von Beginn an kleiner als 5 mm groß sind, nennt man „primäres Mikroplastik“. Dazu gehören zum Beispiel Kunststoff-Pellets oder Granulat für industriell hergestellte Plastikprodukte.

Durch Reinigung in den Fabriken gelangen die Partikel teilweise ins Abwasser und landen überall auf der Welt. Denn der Regen treibt das Plastik in die Kanalisation. Dadurch verteilen sich Millionen Tonnen Mikroplastik auf dem ganzen Planeten. Gerade sehr kleine Partikel lassen sich fast gar nicht herausfiltern.

Warum sterben Tiere an Plastik?

Das Plastik im Meer hat Folgen für Tiere und Menschen: Denn sobald das Meer Plastik in seine Einzelteile zerlegt hat, verwechseln Fische, Krebse und Seevögel es mit ihrer eigentlichen Nahrung. Es ist ihnen nicht nur unmöglich, den Stoff zu verdauen. Oftmals geraten zudem krebserregende Zusatzstoffe wie Weichmacher oder Bisphenol A in den Magen der Tiere.

Das Tückische: Über die Nahrungskette können diese Stoffe am Ende auch auf Deinem Teller landen!

Größere Meeresbewohner können auch Plastikteile aufnehmen, die noch nicht zu Mikroplastik zerfallen sind. Ein Blauwal nimmt mit einem Schluck 80.000 Liter Wasser auf. Dabei „trinkt“ er regelmäßig Plastikflaschen und andere Verpackungen. Einige Seevögel und Meeresbewohner verhungern, weil ihre Mägen randvoll mit Plastik sind und kein Platz mehr für Nahrung ist. Andere verheddern sich in Sixpack-Trägern und umhertreibenden Fischernetzen. Und Schildkröten verwechseln Plastiktüten mit ihrer Leibspeise, den Quallen.

So verhindern wir Plastik im Meer

Die Industriestaaten können sich nicht darauf ausruhen, sich durch die Exporte freizukaufen. Vor allem nicht in dem Wissen, dass die Abfälle im Ausland nicht wiederverwertet werden. Denn das war ja eigentlich mal Sinn der Sache.

Was macht die Politik gegen Plastik im Meer?

Die Europäische Union hat vorgeschrieben, dass ab dem Jahr 2030 sämtliche Kunststoffverpackungen in der EU wiederverwertet werden können. Außerdem soll der Verbrauch von Einwegplastik und die Verwendung von Mikroplastik deutlich reduziert werden.

Auf jeden Fall muss das Bundesumweltministerium nicht nur die Zusammenarbeit mit den Ländern verbessern, die wir zumüllen. Wir müssen ihnen unter die Arme greifen. Dazu gehört auch die Aufklärung, welcher Anteil des Plastikmülls illegal eingeführt wird und wie wir das verhindern können.

Welche Abfälle als gefährlich gelten, regelt die Basler Konvention. Dabei handelt es sich um ein Umweltabkommen, das über 180 Staaten unterschrieben haben. Dummerweise wird Plastik in diesem Abkommen als ungefährlich eingestuft und unterliegt deshalb keinen schärferen Regeln. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. fordert vor diesem Hintergrund, dass Plastikabfälle mit niedriger Qualität strenger reguliert werden und nicht mehr in Länder exportiert werden dürfen, die nicht über die entsprechende Abfalllogistik verfügen.

Dann kann die Bundesrepublik Deutschland auch nicht mehr die Verantwortung abschieben. Stattdessen wären wir gezwungen, unsere eigenen Prozesse zu optimieren.

Seit Jahrzehnten versuchen verschiedensten Initiativen darüber hinaus, die plastikproduzierenden Konzerne in die Verantwortung zu ziehen. Ein ausfühlricher Bericht der Changing Markets Foundation erklärt aber, wie die Industrie durch geschickte Beeinflussung der Politik dieses Pflichtbewusstsein von sich abweist.

Plastik im Meer – So holen wir den Abfall aus den Ozeanen

Es ist also möglich, zu verhindern, dass weiteres Plastik im Meer landet. Doch wie bekommen wir es hin, dass das vorhandene Plastik aus dem Ozean verschwindet? Die Antwort – Gar nicht. Denn die Kunststoffe sind mittlerweile überall bis auf den Meeresgrund verteilt. Es gibt aber Projekte, die zumindest bestrebt sind, die oberen Wasserschichten zu bereinigen.

Mit dem gemeinnützig organisierten Projekt Ocean Cleanup versucht man 90 % der Plastikverschmutzung zu bereinigen. Die Konstruktion sieht aus, wie eine riesige Poolnudel. Sie treibt an der Wasseroberfläche und soll Plastikmüll einsammeln. Damit wird zumindest der Abfall abgefangen, der nicht bereits mehrere Meter in die Tiefe gesunken ist.

Der Seabin kann zumindest in ruhigen Gewässern Plastik einsammeln, das an der Oberfläche  des Ozeans treibt.

Besonders interessant ist das Projekt „everwave“. Die 400 x 400 Meter große Konstruktion soll auch Plastik aus der Tiefe aufsaugen.

Damit Du Dir ein besseres Bild von den Projekten machen kannst, empfehle ich Dir dieses Video:

Was kann ich tun, um das Meer zu retten?

Die Antwort auf die meisten Fragen zum Thema Umweltschutz lautet: Reduziere Deinen Konsum! Das gilt nämlich auch für die Frage, wie Du dazu beitragen kannst, dass weniger Plastik im Meer landet. Konsumierst Du weniger, wirfst Du auch weniger weg.

  • Wie oft bringst Du Deinen Plastikmüll in die gelbe Tonne? Wunderst Du Dich manchmal darüber, wie schnell der Müllsack schon wieder überfüllt ist? Wenn das so ist, dann unternimm etwas! Du musst nicht von jetzt auf gleich ausschließlich im Unverpacktladen einkaufen gehen. Versuche, Dich einfach bei Deinem nächsten Einkauf nach Alternativen umzuschauen.
  • Kaufst Du Milch im Tetrapack und Joghurt aus dem Plastikbecher? Wie wäre es, auf Glas umzusteigen? Auch Glasrecycling ist nicht vollständig umweltneutral. Besser als die weltweite Plastikwanderung ist es jedoch allemal.
  • Verzichte auf Plastiktüten. Viele Supermärkte bieten mittlerweile standardmäßig wiederverwertbare Beutel für Obst und Gemüse an.
  • Besorge Dir einen Thermo-Kaffeebecher anstatt Dir jedes Mal einen Wegwerfbecher in die Hand drücken zu lassen!
  • Kaufe KEINE Kosmetika mit Mikroplastikpartikeln!
  • Plogging: Wenn Du mal wieder joggen gehst, nimm ein paar Mülltüten mit und sammle hier und dort Plastikreste von der Straße.
  • Spenden: Greenpeace und andere Organisationen engagieren sich für den Schutz der Meere und den Stop der Plastikflut. Mach’s wie ich und spende monatlich, um diese und andere Kampagnen zu unterstützen!

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Plastikkonsum zu reduzieren. Wir müssen nur damit anfangen!

Warum ist Plastik im Meer gefährlich?

Nicht nur die Entsorgung ist problematisch. Vor allem die Produktion von Plastikware bringt Probleme mit sich. Dabei entstehen giftige Gase, die Krebs und hormonelle Veränderungen bei Mitarbeitern und Anwohnern der Produktionsstätten verursachen. Ich empfehle Dir aus der Netflix-Reihe „Der Verbrauchermarkt: Ein kaputtes System“ die Folge „Die Recycling Lüge“!

Willst Du mehr darüber erfahren, was Plastik mit Dir macht und was Du dagegen tun kannst? Lies meinen Beitrag „Mikroplastik – Ein Problem, das niemand sieht“!

Was denkst Du über die Herausforderungen mit dem Plastik im Meer? Wie lassen sich die Probleme lösen? Was hast Du für Tips und Anregungen, damit der Ozean nicht noch weiter zugemüllt wird? Schreib‘ mir gerne Deinen Kommentar!

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