Wir alle wissen, dass Mikroplastik in großen Mengen den Planeten überschwemmt. Es gelangt ins Trinkwasser und ins Essen. Warum wird das Problem trotzdem als gegeben akzeptiert? Warum scheint niemand, etwas zu unternehmen? Darauf gibt es zwei Antworten: Wir nehmen das Problem nicht wahr, weil man die kleinen Partikel einfach nicht mit dem bloßen Auge erkennen kann. Außerdem gibt es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Langzeitwirkungen von Mikroplastik.

Was ist Mikroplastik?

Plastik wird aus Erdöl, Erdgas oder Kohle gewonnen. Da es nicht biologisch abbaubar ist, landet eine ganze Menge davon im Meer. Jeder kennt die Bilder von PET-Flaschen und Plastiktüten beispielsweise an den Küsten Südostasiens.

Sekundäres Mikroplastik

Im Ozean zerfallen die Plastikprodukte durch Wellen und UV-Strahlung in immer kleinere Teile. Das nennt man dann Mikroplastik. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit handelt es sich um Mikroplastik, wenn die Teilchen zwischen 5 und 0,001 mm groß sind. Sind die Partikel noch kleiner, sprechen wir von Nanoplastik.

Plastikprodukte, die auf diese Weise in kleine Teile zerfallen, heißen sekundäres Mikroplastik. Der größte Verursacher von sekundärem Mikroplastik ist also Müll. Dazu kommt beispielsweise der Abrieb von Autoreifen oder Synthetik-Kleidung.

Primäres Mikroplastik

Primäres Mikroplastik ist im Unterschied dazu Plastik, welches in seiner endgültigen Form produziert wurde. Also Plastikprodukte, die von Beginn an kleiner als 5 mm groß sind.

Mikroplastik
Bild von Rupert Kittinger-Sereinig auf Pixabay

Dazu gehören zum Beispiel Kunststoff-Pellets oder Granulat für industriell hergestellte Plastikprodukte. Durch Reinigung in den Fabriken gelangen die Partikel teilweise ins Abwasser und landen überall auf der Welt. Denn der Regen treibt das Plastik in die Kanalisation. Dadurch verteilen sich Millionen Tonnen Mikroplastik auf dem ganzen Planeten. Gerade sehr kleine Partikel lassen sich fast gar nicht herausfiltern.

Primäres Mikroplastik – Kunststoffe in Kosmetik

Das bekannteste Beispiel für primäres Mikroplastik sind aber Kosmetikprodukte, in denen die Polymere als Peelings eingesetzt werden. Allgemein wird Mikroplastik nicht nur für Kosmetik, sondern für Reinigungsmittel aller Art verwendet.

Das Problem ist nur, dass die Hersteller den durchschnittlichen Konsumenten im Hinblick auf die Angaben der Inhaltsstoffe gründlich in die Irre führen. Denn es gibt eine Vielzahl an Kunststoffen. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Methicone
  • Polyamide (PA, Nylon)

Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, empfehle ich Dir den Einkaufshelfer von Greenpeace. Darin sind alle gängigen Kunststoffe in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten aufgelistet.

Oder Du nimmst die App Codecheck. Damit kannst Du das Produkt mit dem Handy einscannen und bekommst sofort die Plastikinhalte aufgelistet. Dazu noch ein kleiner Hinweis, falls Du hoffst, mit dem Begriff „bio“ auf der sicheren Seite zu sein: Bio ist kein Merkmal für Plastikfreiheit.

Warum enthalten Kosmetikprodukte Mikroplastik?

In Peelings werden sie verwendet, um die Haut sauber zu schrubben. Bei Cremes bewirken Kunststoffe eine seidige, glänzende Haut. In diesen Fällen ist ganz klar vorprogrammiert, dass die sogenannten Microbreads nur einmal verwendet werden und dann umgehend ins Abwasser gelangen.

Streitereien bei der Definition für Mikroplastik

Viele Hersteller erklären, dass sie kein Mikroplastik verwenden. Denn darunter stellen sie sich ausschließlich Feststoffe vor. Und das ist streng genommen auch korrekt. Denn das entspricht tatsächlich der Definition der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Flüssige und gelförmige Kunststoffe fallen nämlich nicht unter den Begriff Mikroplastik.

Das sehen Umweltorganisationen natürlich anders. Denn nicht alle, aber die meisten von diesen gel- oder wachsartigen Kunststoffen sind genauso problematisch wie festes Mikroplastik. Außerdem ist es nur durch extremen Aufwand möglich, die Inhaltsstoffe danach zu unterscheiden, ob sie nun eine feste oder gel- bzw. wachsartige Konsistenz haben.

50.000 Tonnen Mikroplastik pro Jahr in Deutschland

Mikroplastik
Bild von Thanks for your Like • donations welcome auf Pixabay

Auf umweltdialog.de findest Du einen Artikel, der sich auf eine Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik bezieht. Demnach werdet die Industrie allein in Deutschland pro Jahr fast 1.000 Tonnen Mikroplastik nur für Kosmetik und andere Wasch-, Putz- und Reinigungsprodukte. Der Kosmetikanteil beläuft sich dabei auf über 90 %.

Doch jetzt wird es erst mal richtig problematisch: Denn die 1.000 Tonnen beziehen sich nur auf das Mikroplastik, das der Definition der Behörde für Lebensmittelsicherheit entspricht. Es geht also nur um die festen Polymere.

Hinzu kommen nämlich noch die gel- oder wachsartigen Polymere. Und laut der Studie sind das für Kosmetik 23.700 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Zusammengefasst für alle Kosmetik-, Wasch-, Putz- und Reinigungsprodukte werden in Deutschland ca. 50.000 Tonnen Kunststoffe pro Jahr eingesetzt. Jeder von uns setzt also durchschnittlich pro Jahr mehr als ein halbes Kilo Plastik ein. Allein für Kosmetik und Reinigung.

Wasserlösliche Folien sind unbedenklich

Ich habe mir die Frage gestellt, wie es mit wasserlöslichen Folien aussieht. Herstellter von Spülmaschinentabs werben doch mehrfach mit der besonderen Umweltverträglichkeit. Und das trifft meinen Recherchen zufolge auch zu. Denn sofern die Folie aus PVOH (Polyvinylalcohol) besteht, hat diese keine toxische Wirkung. Das Material kann von Bakterien und Enzymen vollständig abgebaut werden.

Was wissen wir über Mikroplastik?

Mikroplastik wird von Tieren mit Kleinsttieren verwechselt. Sie halten das Plastik für Nahrung. Daraus resultieren Verletzungen, Hormonstörungen und Krankheiten. Denn die Plastikpartikel eignen sich sehr gut für Krankheitserreger, um sich auszubreiten. Da wir das Ende der Nahrungskette sind, essen wir ebenfalls Mikroplastik. Studien zufolge können wir davon ausgehen, dass fast 6 % der Nord- und Ostseefische Mikroplastik aufweisen. Plastik lässt sich in unseren Flüssen nachweisen. Wir wissen, dass wir Plastikmüll im Meer verursachen.

Zusammengefasst: Es ist erwiesen, dass wir Plastik trinken und essen. Und zwar jeder von uns.

Was wissen wir nicht über Mikroplastik?

Wir können die daraus resultierenden Risiken nicht abschätzen. Die Wirkungen von Plastik in der Umwelt sind noch nicht ausreichend erforscht. Es gibt lediglich eine Vielzahl von Indizien, die die schadhafte Wirkung von Mikroplastik deutlich machen.

Was muss passieren?

Ich habe mal die Forderungen des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik sowie des Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zusammengefasst:

  • Die europäische Chemikaliengesetzgebung muss sämtliche wasserlöslichen Polymere regulieren!
  • Vor allem muss der Gesetzgeber einen größerer Fokus auf die Verweildauer der Kunststoffe in der Umwelt legen! Polymere, die weniger toxisch, aber länger haltbar sind, sind aktuell kaum reguliert.
  • EU-Verbot von Mikroplastik in Kosmetik und Reinigungsmitteln! Nicht nur von Plastik als Reibkörper in Duschgel und Peeling!
  • Die Industrie muss auf biologisch abbaubare Ersatzprodukte umsteigen!
  • Es muss dafür gesorgt werden, dass zertifizierte Naturkosmetik größere Marktanteile bekommt! Dazu müssen Politik und Industrie Umweltgefährdungen offensiver und transparenter kommunizieren.

Was kannst Du tun?

  • Verzichte weitestgehend auf Plastik im Alltag!
  • Verwende lieber mal einen Thermobecher statt Einweg-Kaffeebechern! Benutze mehrfach verwendbare Einkaufstüten. Das gilt auch für die Tüten in der Obstabteilung.
  • Entsorge Plastik korrekt, damit er wiederverwertet werden kann!
  • Verwende Naturkosmetik!

Möchtest Du mehr über Plastik Recycling erfahren? Was wirklich recycelt wird und was mit dem Rest geschieht, kannst Du in meinem Beitrag „Plastik Recycling – Diese Verpackungen werden wirklich wiederverwertet“ lesen.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published.