Seitdem in den 1990er Jahren in Deutschland die Mülltrennung eingeführt wurde, warten wir noch immer vergebens auf ein umfassendes Plastik Recycling. Denn inzwischen ist hinlänglich bekannt, dass nur ein Bruchteil des Mülls, den Du in die Gelbe Tonne wirfst, tatsächlich recycelt wird.

Deutschland exportiert tonnenweise Müll nach Südostasien. Und die dortigen Mülldeponien sehen von all dem Plastik nur diejenigen Verpackungen für den Recycling-Prozess vor, die für sie lukrativ sind. Der Rest wird verbrannt oder landet im Meer.

Plastikfrei einkaufen

Wieder einmal könnten wir einfach über Politik und Wirtschaft schimpfen. Stattdessen sollten wir aber unseren eigenen Plastik-Verbrauch reduzieren bzw. darauf achten, welche Kunststoffart die Verpackungen haben.

Unverpacktladen

In fast jeder größeren Stadt gibt es mittlerweile den einen oder anderen Unverpacktladen. Du solltest auf jeden Fall mal dort einkaufen gehen. Nimm Dir Tupperdosen oder Leinensäckchen mit und probiere es mal aus. Zumindest stellt ein Unverpacktladen ein gute Ergänzung zum Wocheneinkauf dar. Meine Erfahrung ist jedoch, dass das System noch etwas unausgereift ist: Denn ich kenne keinen Unverpacktladen, der meine komplette Einkaufsliste bedient.

Einkaufen im Discounter bzw. Supermarkt

Gerade Kühlware erfordert zumeist eine Verpackung. Deshalb besuche ich weiterhin regelmäßig den nahegelegenen Supermarkt. Es ist aber einfach schwierig, wirklich plastikfrei einzukaufen. Einige Produkte gibt es sowohl in Plastikverpackungen als auch in Pfandgläsern. Außerdem kannst Du Obst und Gemüse mittlerweile in den meisten Supermärkten in einem wiederverwendbaren Frischebeutel kaufen, so dass Du nicht auf Plastiktüten angewiesen bist.

Bei allen anderen Produkten, die es nur in der Plastikverpackung gibt, lohnt es sich aber zu wissen, welche Verpackungen tatsächlich recycelt werden und welche eher verbrannt werden oder im Meer landen.

Plastik Recycling – Was ist grundsätzlich wiederverwertbar?

Bevor wir unterscheiden, welche Plastikteile mit größerer bzw. kleinerer Wahrscheinlichkeit recycelt werden, benötigen wir ein Bewusstsein darüber, was überhaupt in den gelben Sack gehört. Auf gruener-punkt.de findest Du dazu eine Liste und nähere Erläuterungen. Auf die Liste solltest Du auf jeden Fall mal einen Blick werfen. Für mich haben sich dabei jedenfalls ein paar Überraschungen aufgetan.

Quelle: gruener-punkt.de

Da wir täglich Dinge wegwerfen, ist es wichtig, dass wir diese Auflistung zum Plastik Recycling verinnerlichen. Wir müssen das sogenannte „Duale System“ der Mülltrennung verstehen. Das heißt also: Überdenke diejenigen Verpackungen, die Du bisher in die gelbe Tonne geworfen hast! Was davon gehört eigentlich in den Restmüll? Was davon musst Du beim Recyclinghof abgeben? Versuche, möglichst wenig Restmüll zu verursachen. Denn der wird definitiv letzten Endes einfach verbrannt.

Plastik Recycling – Was heißt das eigentlich genau?

Plastik RecyclingMit Recycling ist die Wiederverwertung von Abfallprodukten gemeint. Im Wikipedia-Beitrag ist sehr anschaulich beschrieben, dass unser Recyclingsystem auf EU-Vorgaben basiert. Danach gilt es vor allem, auf umweltgefährdende Stoffe zu verzichten und Verpackungen möglichst wiederzuverwenden (z.B. Mehrwegpfand). Vorgesehen ist auch die sogenannte stoffliche Verwertung, in der aus dem Abfallprodukt vermarktungsfähige Sekundärrohstoffe gewonnen werden.

Bei der stofflichen Verwertung wird das Plastik zunächst mit Hilfe von Siebtrommeln der Größe nach sortiert. Sehr leichte Plastikabfälle – wie beispielsweise Folien – werden danach abgesaugt. Gleichzeitig werden Blechdosen in einen separaten Kreislauf geführt. Anschließend werden andere Dosen und Tuben herausgesucht. Die Recyclinganlage ist außerdem in der Lage, weitere Verpackungsmaterialien zu sortieren. Dadurch kann sie die unterschiedlichen Kunststoffarten von einander trennen, sie reinigen und schreddern. Die daraus entstehenden Plastikschnipsel werden entweder in dieser Form wiederverwertet oder zu Granulat verschmolzen. Und aus diesem Granulat werden dann neue Produkte geschaffen.

Wenn eine Umwandlung in Sekundärrohstoffe nicht möglich ist (leider ist das meistens der Fall), wird die energetische Verwertung vorgesehen. Damit ist normalerweise nichts anderes als Verbrennung gemeint. Innerhalb der EU muss diese Verbrennung aber industriell dienlich sein – also zum Beispiel für die Stromerzeugung.

Recycling Code

Recycling CodeUm sicher zu sein, ob die Verpackung wiederverwertbar ist, suche nach dem sogenannten Recycling Code. Nähere Informationen dazu bietet die Verbraucherzentrale an. Den Recycling Code solltest Du jedoch nur als Richtwert nutzen. Denn die Angabe ist auf den Produkten ist freiwillig. Nur weil eine Verpackung keinen Code hat, bedeutet es also nicht automatisch, dass sie nicht wiederverwertbar ist. Der nebenstehende Recycling Code ist im Übrigen nur ein Beispiel. Es gibt gleich mehrere Nummerierungen für Kunststoffe und anderer Materialien.

Der grüne Punkt ist übrigens eher als ein Relikt aus den 90er Jahren zu verstehen, als die Mülltrennung eingeführt wurde. Die Firma DerGrünePunkt ist zwar auch heute noch der führende Anbieter von Rücknahmesystemen. Das zugehörige Symbol ist aber nicht verpflichtend.

Plastik Recycling – Diese Verpackungen werden recycelt

Dem Recycling Code kannst Du nicht nur entnehmen, dass die Verpackung wiederverwertet werden kann, sondern auch aus welchem Kunststoff sie besteht. Neben PVC (Polyvenylchlorid) gibt es PET (Polyethylenterephtalat), PP (Polypropylen), PE-HD (Polyethylen hoher Dichte) und weitere Kunststoffe, die alle grundsätzlich wiederverwertet werden könnten.

Ob die Verpackungen jedoch wirklich recycelt werden, ist von folgenden Fragen abhängig:

  • Aus welchem Kunststoff besteht sie genau?
  • Ist der Kunststoff getrennt von anderen Stoffen?
  • Was kann der Scanner in der Recyclinganlage identifizieren?

PS (Polysystrol) und O (andere Kunststoffe)

Das sind in der Regel die dünnen Plastiktüten, mit denen beispielsweise Nüsse und Chips verpackt werden. Diese können nicht von der Anlage verarbeitet werden.

PE-HD (Polyethylen hoher Dichte), PP (Polypropylen) und PET (Polyethylenterephtalat)

Plastik RecyclingPlastikflaschen (PET), Joghurtbecher (PP), Putzmittelflaschen (PE-HD) können gut recycelt werden. Vor allem recyceltes Polypropylen kann qualitativ mit Neukunststoffen mithalten. Daraus können Plastikeimer, Transportkisten und Körbe hergestellt werden. PP dürfte entsprechend auch für die Recyclingfirmen im Ausland lukrativ sein, so dass dieser Kunststoff wohl noch am wenigsten problematisch ist.

Diese Plastikverpackungen werden nicht recycelt

Problematisch wird es, wenn Du zum Beispiel den Aluminiumdeckel an Deinem Joghurtbecher anhaften lässt oder Du Frischeschalen entsorgst. Bei der Schale handelt es sich um einen anderen Kunststoff als bei der zugehörigen Folie. Der Scanner in der Recyclinganlage wird das Plastik nicht zuordnen können. Dadurch landet es bei den Resten.

Auch schwarzes Plastik können die Scanner zumeist nicht identifizieren.

Im Endeffekt werden sogar in Deutschland nur 23% aus dem gelben Sack recycelt. Der Rest wird verbrannt. Hauptsächlich dienen die restlichen 77% für Zementwerke als Energielieferant oder zur Erzeugung von Strom und Fernwärme in Müllverbrennungsanlagen.

Recycling im Ausland

Und nun führen wir uns noch einmal vor Augen, dass aus Deutschland jährlich etwa 1 Million Tonnen Müll ins Ausland exportiert wird. Dadurch gelten die Verpackungen zwar statistisch als recycelt. Was dort aber wirklich geschieht, kannst Du meinem Artikel „Plastikmüll im Meer“ entnehmen. Kurz zusammengefasst: Auch hier wird tatsächlich in Ansätzen recycelt. Teilweise auch in der Qualität, die es hierzulande gibt. Leider wird aber der Großteil in die Luft geblasen oder landet im Meer.

Plastik Recycling – Was sollen wir also kaufen?

Wir kommen also zu dem Schluss: Egal welche Plastikverpackung ich entsorge; es ist geradezu wahrscheinlich, dass sie nicht recycelt wird. Bei einigen Verpackungen wissen wir aber mit Sicherheit, dass sie nicht recycelt werden. Und das, obwohl sie in den gelben Sack gehören.

Darum müssen wir unseren Plastik-Konsum generell soweit wie möglich vermeiden. Viele Menschen haben sich daher bereits der Zero Waste (also Müllvermeidung) Bewegung angeschlossen. Wenn Du aber – so wie ich – noch nicht so weit bist, wirklich vollständig auf Verpackungsmüll zu verzichten, dann beachte bitte die folgenden Regeln:

  • Kaufe öfters mal im Unverpacktladen ein!
  • Falls Du die Wahl zwischen Glas und Plastik hast (z.B. Joghurt), entscheide Dich für Glas!
  • Vermeide Produkte mit den Recycling Codes 06 (Polystyrol) und 07 (andere Kunststoffe)!
  • Immer wenn es möglich ist: Trenne unterschiedliche Kunststoffe der Verpackung!
  • Verzichte auf schwarze Kunststoffe

Besonders anschaulich finde ich zu diesem Thema das Video von Quarks.

 

Durch die Reduzierung Deines Plastikverbrauchs trägst Du aktiv zur Verringerung der Mülldeponien in Südostasien bei. Willst Du mehr darüber erfahren? – Lies meinen Artikel „Plastikmüll im Meer – So wird der Ozean wieder sauber“.

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