Warum haben wir eigentlich Plastikmüll im Meer? Dass weltweit viel zu viel Plastik produziert und verbraucht wird, weiß mittlerweile jedes Kind. Aber wieso landet der Müll im Ozean? Ich möchte Dich hiermit auf die gesamte Reise des Plastikmülls von der Entstehung bis zur Zersetzung im Meer mitnehmen. Außerdem klären wir, wie wir das Plastik wieder aus dem Meer holen bzw. es daran hindern können, überhaupt hineinzugelangen.

Die Geschichte ist so traurig und aufwühlend, dass man sie am liebsten gar nicht lesen möchte. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, sie in Form einer Erzählung zu gestalten:

Plastikmüll im Meer – Eine aufregende Geschichte

Die Reise beginnt dort, wo der Plastikmüll in rauen Mengen entsteht. In einem Haushalt in Deutschland.

Kapitel 1: Der Joghurtbecher

Der kleine Max löffelt gerade seinen Joghurtbecher aus. Er weiß, dass der Plastikbecher in die gelbe Tonne gehört. Denn dort wird er recycelt. Der Plastikmüll wird wiederverwendet und damit Teil des ewigen Plastik-Kreises.

Leider schafft Vater Staat es aber nicht, so viele Joghurtbecher wiederzuverwerten. Irgendwann stößt auch ein so gut organisiertes Land an seine Grenzen. Deshalb exportiert die Bundesrepublik Deutschland jährlich über 1 Million Tonnen Plastikmüll! Vor allem nach Südostasien. Eine geniale Lösung: Wir werden das Problem hierzulande los und kassieren dafür sogar noch ab!

Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass Max‘ Becher in Malaysia oder Indonesien landet. Und dazu gesellen sich dann weitere Plastikbecher. Aber diese kommen nicht nur aus Deutschland. Nein! Wir sind nur die Nr. 3 der weltweiten Exporteure. Exportweltmeister in Sachen Plastikmüll ist Japan; dicht gefolgt von den USA.

Kapitel 2: Eine Reise mit dem Schiff

Auf einem riesigen Containerschiff reist Max‘ Joghurtbecher nach Südostasien. Auf dem Weg dorthin begegnet er einer Menge Schiffe. Dazu gehören andere Containerschiffe, Kreuzfahrtschiffe und Fischereischiffe. Immer mal wieder passiert es, dass – vermutlich versehentlich – Abfälle von diesen Schiffen ins Meer „fallen“.

In weiter Ferne beobachtet der Becher auch Ferienorte an der Küste. Auch hier wird das Thema „Müllentsorgung“ oftmals nicht so genau genommen. Der Müll liegt herum und immer mal wieder wird er durch den Wind und Regenfälle entweder in die Flüsse oder direkt ins Meer gespült.

Was er nicht sieht: Viele Kosmetikprodukte enthalten Mikroplastik, Diese geraten beim Abwaschen ins Abwasser und damit am Ende auch zum Teil ins Meer.

Niemand weiß, wie viele Millionen Tonnen Müll im Ozean auf diese Weise pro Jahr landen.

Kapitel 3: Südostasien – Die Müllhalde des Planeten Erde

Endlich in Malaysia angekommen, stellt der Becher fest, dass der Plastikmüll hier zwar angenommen wird. Recycelt wird hier aber nicht wirklich viel. Denn so viel Müll wie hier regelmäßig aus aller Herren Länder ankommt, kann man eigentlich gar nicht recyceln. Immer wieder hört man, dass die Abfallwirtschaft in Südostasien verbessert werden müsse. Das mag man sich wünschen; Fakt ist aber, dass das weltweite Gesamtsystem einfach nicht funktionieren kann.

Die Optimierung der Mülllogistik in Malaysia wäre da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Zumindest würde diese aber dazu führen, dass wenigstens der eigene Müll recycelt werden kann. Die Recyclingfirmen in Deutschland werden beispielsweise dadurch finanziert, dass die Unternehmen, die verpackte Ware verkaufen, Lizenzgebühren zahlen. In den meisten Staaten Südostasiens gibt es so etwas nicht.

Außerdem ist die Verbesserung der Müllwirtschaft leichter gesagt als getan: Egal ob wir von einer legalen oder einer der zahlreichen illegalen Deponien sprechen. Der überwiegende Anteil des Plastikmülls lässt sich nur extrem aufwändig recyceln. Es ist einfach nicht wirtschaftlich. Deshalb pickt man sich die Rosinen heraus und macht aus daraus bares Geld. Der Rest wird verbrannt oder liegen gelassen.

Kapitel 4: Der Becher geht schwimmen

Ob der Joghurtbecher illegal oder über einen zertifizierten Entsorgungsbetrieb nach Südostasien gelangt ist, weiß er nicht. Auch der Discounter, der ihn damals Max‘ Mutter verkauft hat, gibt an, nicht in der Lage zu sein, zu beurteilen, wie die von ihm vertriebenen Verpackungen tonnenweise auch auf illegalen Deponien gelandet sind.

Eigentlich ist das auch unerheblich. Denn selbst die zertifizierten Betriebe verfügen nicht über die Kapazitäten, alles zu recyceln. Deshalb wird eine große Menge Plastik einfach verbrannt. Einiges wird vom Winde verweht oder gelangt durch Regengüsse in Flüsse und Ozeane.

So wird auch Max‘ Joghurtbecher ins Meer gespült. Hier schließt er sich anderem Plastikmüll im Meer an. Doch gemessen an seiner gesamten Lebensdauer beginnt seine Reise jetzt erst.

Kapitel 5: Die Geschichte vom Plastikbecher dauert noch hunderte Jahre

Jetzt treibt er im Meer und schwimmt mit der Strömung. Vielleicht wird ihn ein Wal zwischenzeitlich auf der Suche nach Krill verschlucken. Trotzdem wird der Becher ihn überleben. Der Wal stirbt und wird zersetzt. Aber der Joghurtbecher lebt weiter. Es wird Jahrhunderte dauern, bis er vollständig zersetzt sein wird. Und da ist er bei Weitem nicht der Einzige. Bevor er endgültig in seine Einzelteile zersetzt wird, wird er zu Mikroplastik. In diesem Zustand halten ihn Fische und Vögel für Futter. In diesem Falle kommt es uns nicht zugute, dass wir das Ende der Nahrungskette sind. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass wir das Mikroplastik bereits in unserem Körper haben.

So verhindern wir den Plastikmüll im Meer

Die Geschichte vom Joghurtbecher hat gezeigt: Die Rechnung geht nicht auf. Die Industriestaaten können sich nicht darauf ausruhen, sich durch die Exporte freizukaufen. Vor allem nicht in dem Wissen, dass die Abfälle im Ausland nicht wiederverwertet werden. Denn das war ja eigentlich mal Sinn der Sache.

Plastikmüll im Meer – Das muss der Staat tun

Foto: Simon Clayton (Pexels)

Die Europäische Union hat vorgeschrieben, dass ab dem Jahr 2030 sämtliche Kunststoffverpackungen in der EU wiederverwertet werden können. Außerdem soll der Verbrauch von Einwegplastik und die Verwendung von Mikroplastik deutlich reduziert werden.

Meine Meinung dazu: Es ist toll, dass die Politik langsam aufwacht. Dennoch ist die Regelung zu ungenau, um den Plastikmüll im Meer aufzuhalten! Vor allem aber übt sie nicht gerade viel Druck auf die EU-Staaten aus, wenn von einem Ziel in 10 Jahren die Rede ist.

Auf jeden Fall muss das Bundesumweltministerium nicht nur die Zusammenarbeit mit den Ländern, die wir zumüllen verbessern. Wir müssen ihnen unter die Arme greifen. Dazu gehört auch die Aufklärung, welcher Anteil des Plastikmülls illegal eingeführt wird und wie wir das verhindern können.

Welche Abfälle als gefährlich gelten, regelt die Basler Konvention. Dabei handelt es sich um ein Umweltabkommen, das über 180 Staaten unterschrieben haben. Dummerweise wird Plastik in diesem Abkommen als ungefährlich eingestuft und unterliegt deshalb keinen schärferen Regeln. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. fordert vor diesem Hintergrund, dass Plastikabfälle mit niedriger Qualität strenger reguliert werden und nicht mehr in Länder exportiert werden dürfen, die nicht über die entsprechende Abfalllogistik verfügen.

Dann kann die Bundesrepublik Deutschland auch nicht mehr die Verantwortung abschieben. Stattdessen wären wir gezwungen, unsere eigenen Prozesse zu optimieren.

Plastikmüll im Meer – So holen wir den Abfall aus den Ozeanen

Es ist also möglich, zu verhindern, dass weiteres Plastik im Meer landet. Doch bekommen wir es hin, dass das vorhandene Plastik aus dem Ozean verschwindet?

Mit dem gemeinnützig organisierten Projekt Ocean Cleanup versucht man 90% der Plastikverschmutzung zu bereinigen. Die Konstruktion sieht aus, wie eine riesige Poolnudel. Sie treibt an der Wasseroberfläche und soll Plastikmüll einsammeln. Damit wird zumindest der Abfall abgefangen, der nicht bereits mehrere Meter in die Tiefe gesunken ist.

Der Seabin kann zumindest in ruhigen Gewässern Plastik im Ozean, das an der Oberfläche treibt, einsammeln.

Besonders interessant finde ich das Projekt Pacific Garbage Screening. Die 400 x 400 Meter große Konstuktion soll auch Plastik aus der Tiefe aufsaugen.

Damit Du Dir ein besseres Bild von den Projekten machen kannst, empfehle ich Dir dieses Video:

Plastikmüll im Meer – Das müssen wir tun

Wenn wir den Plastikmüll im Meer verringern wollen, müssen unseren Konsum hinterfragen! Wie oft bringst Du Deinen Plastikmüll in die gelbe Tonne? Wunderst Du Dich manchmal darüber, wie schnell der Müllsack schon wieder überfüllt ist? Wenn das so ist, dann unternimm etwas! Ich erwarte nicht von Dir, dass Du von jetzt auf gleich ausschließlich im Unverpacktladen einkaufen gehst. Versuche, Dich einfach bei Deinem nächsten Einkauf nach Alternativen umzuschauen.

Kaufst Du Milch im Tetrapack und Joghurt aus dem Plastikbecher? Wie wäre es, auf Glas umzusteigen? Ich gebe zu, auch Glasrecycling ist nicht vollständig umweltneutral. Besser als die weltweite Plastikwanderung ist es jedoch allemal.

Verzichte auf Plastiktüten. Viele Supermärkte bieten mittlerweile standardmäßig wiederverwertbare Beutel für Obst und Gemüse an.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Plastikkonsum zu reduzieren. Wir müssen nur damit anfangen!

Plastik verursacht noch viel größere Probleme

Abschließend möchte ich Dir noch einen Hinweis geben, den wir nicht vernachlässigen sollten. Dieser Artikel behandelt hauptsächlich das Recycling-Thema. Vor allem aber die Produktion von Plastikware bringt Probleme mit sich. Dabei entstehen giftige Gase, die Krebs und hormonelle Veränderungen bei Mitarbeitern und Anwohnern verursachen. Ich empfehle Dir aus der Netflix-Reihe „Der Verbrauchermarkt: Ein kaputtes System“ die Folge „Die Recycling Lüge“!

Durch die Reduzierung Deines Plastikverbrauchs trägst Du aktiv zur Verringerung von Treibhausgasen bei. Und damit können wir auch den Folgen des Klimawandels Einhalt gebieten. Willst Du mehr darüber erfahren? – Lies meinen Artikel „Klimawandel-Folgen – Das haben wir unserer Erde angetan“.

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