Vegetarier zu werden, bedeutet, ein paar Lebensmittel von der Einkaufsliste zu streichen. Vegane Ernährung erfordert dagegen eine echte Lebensumstellung! Es bedeutet, sich mit Rezepten zu befassen und ganz neu vegan kochen zu lernen. Außerdem musst Du Nahrungsergänzungsmittel nehmen. Vegan leben bedeutet nicht automatisch, sich gesund oder ungesund zu ernähren. Denn das ist vor allem davon abhängig, ob Du frisch und gesund kochst, oder ob Du Dich auf vegane Fertiggerichte beschränkst. Schließlich gibt es mittlerweile eine ganze Menge davon.

Vegan leben – Meine Beweggründe

Vegan leben
Bild von Peggy und Marco auf Pixabay

Mein Gewissen wurde einfach immer schlechter. Es begann mit der Vorstellung davon, dass ich durch meinen Fleischkonsum aktiv Massentierhaltung unterstützte. Ich selbst hätte es nie über das Herz gebracht, mir die Zustände vor Ort anzuschauen. Auch den Schlachtprozess hätte ich nicht ertragen. Das führte irgendwann dazu, dass ich das Schnitzel einfach nicht mehr genießen konnte.

Als nächstes führte ich mir den extremen Wasserverbrauch und die Freisetzung von Treibhausgasen vor Augen. Tierhaltung und –verarbeitung trägt nun mal in erheblichem Maße zur Erderwärmung bei. Fleischfresser verursachen immerhin durchschnittlich ein bis zwei Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr mehr als Veganer.

CO2-Äquivalent

Damit ist einerseits Kohlendioxid (CO2) an sich gemeint. Dazu gehören aber auch die anderen Treibhausgase. Also vor allem Methan und Lachgas. 1 kg Methan wirkt allerdings 21 mal so stark auf die Erderwärmung ein wie 1 kg CO2. Und Lachgas hat sogar den 310-fachen Effekt. Deshalb sind die CO2-Äquivalente entsprechend gewichtet.

Von den 11,3 Tonnen CO2-Äquivalenten sind 9,2 Tonnen reines CO2.

Schritt für Schritt Veganer werden

Es ist erst ein paar Jahre her, als mir wirklich bewusst wurde, was ich da tue: Ich hatte mich zwar immer mal wieder mit Lektüre und Reportagen über Massentierhaltung befasst. Doch es dauerte eine ganze Weile bis ich meine Erkenntnisse über tierische Produkte auf mein Konsumverhalten übertragen habe. Ich legte mehr Wert auf Bio-Produkte und wusste ein gutes Stück Fleisch mehr zu schätzen als früher.

Trotzdem schlichen sich immer mal wieder tierische Produkte ein, die eben nicht unter artgerechten Bedingungen erzeugt wurden. Vor allem: Was ist eigentlich artgerechte Tierhaltung? Auch wenn der Begriff juristisch definiert ist, wird wahrscheinlich jeder etwas anderes darunter verstehen.

Vegetarisch leben

Deshalb brauchte ich einen klaren Schnitt. Ich entschied, dass ich zumindest nicht mehr dafür verantwortlich sein wollte, dass Tiere meinetwegen sterben müssen. Und deshalb wurde ich Vegetarier. Ich wusste, dass mir das leicht fallen würde. Denn Du musst nicht mehr tun als ein paar Dinge kategorisch von der Einkaufsliste bzw. Speisekarte zu entfernen. Gegebenenfalls kannst Du sie durch Ersatzprodukte auf beispielsweise Sojabasis ersetzen. Kein Problem!

Vegan leben

Ich wurde also von einem auf den anderen Tag Vegetarier. Damit hatte ich einen wichtigen Schritt gemacht, der mein Gewissen schon mal etwas bereinigt hat. Trotzdem hinterfragte ich meine Essgewohnheiten. Fast jeden Tag aß ich Joghurt und Käse und trank Milch. Hin und wider ein paar Eier.

Vegan lebenDann führte ich mir vor Augen: Rinder sind wegen ihrer Methanproduktion um ein Vielfaches klimaschädlicher als Schweine und Hühner. Und meine wichtigsten Nahrungsmittel waren Milchprodukte, die ja nun mal im ersten Schritt von der Kuh produziert werden.

Ich überlegte weiter: Egal ob Milchprodukte oder Eier! Selbst bei den meisten Bio-Produkten kannst Du Dir nicht über die Lebensbedingungen der Tiere sicher sein, solange Du sie Dir nicht vor Ort angeschaut hast. Der letzte Schritt, der Umwelt wirklich zu helfen, war also noch nicht getan. Als Vegetarier sparst Du zwar CO2-Äquivalente ein und verminderst die Nachfrage nach Produkten aus Massentierhaltung. Aber es bleibt dabei, dass Tiere leiden.

Game Changers

Ich dachte weiter darüber nach. Ein paar Impulse brauchte ich aber dennoch, um mich ganz von tierischen Produkten zu verabschieden. Irgendwann bin ich auf den Film „Game Changers“ auf Netflix gestoßen. In dieser Reportage wird „vegan leben“ zwar auch in Verbindung mit Umweltaspekten gebracht. Der Fokus liegt aber darauf, dass eine rein pflanzliche Ernährung die körperliche Leistungsfähigkeit erhöht. Eine Vielzahl von Spitzensportlern leben deshalb vegan.

Auch wenn „Game Changers“ sehr subjektiv die Vorteile von Veganismus aufzeigt, empfehle ich jedem, sich mal 90 Minuten für den Film zu gönnen. Die Erkenntnisse beruhen auf wissenschaftlichen Studien (wobei es vermutlich genauso viele Studien mit gegenteiligen Resultaten gibt).

Vegan leben
Bild von RitaE auf Pixabay

Vorbereitungszeit

Ich hatte weiterhin großen Respekt vor einer veganen Lebensweise. Jetzt war ich aber bereit, es zu testen. Ich wollte es mal einen Monat ausprobieren. Aber diesmal nur mit Vorbereitungszeit. Ich musste zuerst Fragen stellen wie diese:

  • Was essen Veganer?
  • Trinke ich den Kaffee schwarz oder mit pflanzlicher Milch?
  • Was esse ich zum Frühstück, wenn Joghurt tabu ist?
  • Welche Brotsorten sind vegan?
  • Welche Inhaltsstoffe haben die Produkte, die ich für gewöhnlich einkaufe?

Dafür nahm ich mir ca. 2 Wochen Zeit und probierte unterschiedliche Varianten aus.

Veganuary

Es war reiner Zufall, dass ich mir den Monat Januar für mein Projekt aussuchte. Erst als ich damit begann, hörte ich von der Veganuary-Bewegung. Veganuary ist eine britische Organisation, die Menschen zum vegan Leben im Januar ermutigt.

Vegan leben – Woche 1 und 2

Mein Veganuary begann mehr als holprig. Ich hatte mir ein veganes Kochbuch besorgt und entsprechend eingekauft. Ich hatte mich auf Frühstück, Mittagessen und Abendessen eingestellt. Und dennoch: Nachdem ich die ersten veganen Gerichte gekocht und gegessen hatte, bekam ich Hunger. Mein Problem: Ich hatte nichts mehr im Kühlschrank, was ich essen durfte. Und meine Phantasie, eine neue vegane Kreation zu zaubern, war schon in den ersten Tagen aufgebraucht.

Ich aß drei Tage lang vegane Nudeln mit Tomatensauße. Mir hing das nach kurzer Zeit zum Halse raus. Außerdem habe ich zwischendurch reflexartig Milchprodukte gegessen, was mir erst kurz danach auffiel. Natürlich habe ich damit meinen veganen Monat wieder von vorn begonnen. Keine halben Sachen!

Schon nach kurzer Zeit konnte ich das Ganze nicht mehr sehen. Und ich hatte keine Ideen. Vegane Fertigprodukte halfen zwar, um den Hunger zu stillen. Sie waren aber keine echte Alternative. Denn gesunde Ernährung war mir weiterhin wichtig. Kurzum: Ich brauchte Hilfe! Zum Glück erbarmte sich meine Frau, mir bei der veganen Ernährung weiter zu helfen. Beim Einkaufen und beim Kochen. Dadurch gelang mir die Umstellung.

Vegan leben – Wochen 3 und 4

Es wurde einfacher. Mehr Hülsenfrüchte und Nüsse, ein paar Sojaprodukte und viele Haferflocken. Vor allem aber Gemüse und Salat. Und es schmeckte. Ich hatte genug, um nicht mehr hungern zu müssen. Die vegane Ernährung hatte sich in meinen Alltag integriert. Am Ende kann ich guten Gewissens sagen, dass ich mich 31 Tage lang vollständig vegan ernährt habe.

Die Umstellung von vegetarisch auf vegan war ziemlich schwierig für mich. Aber in der zweiten Monatshälfte hat sich mein veganer Ernährungsplan automatisiert. Und ich hatte auch wirklich nicht das Bedürfnis nach tierischen Produkten.

Vegan werden – So ernähre ich mich heute

Und genau darum ernähre ich mich auch heute noch zu ca. 95 % vegan. Während meines veganen Monats habe ich mich ausnahmslos auf pflanzliche Ernährung beschränkt. Als Familienvater ist man aber auch Resteverwerter. Bevor also etwas weggeschmissen wird, esse ich es auf. Auch, wenn es sich um ein Milchprodukt handelt. Bei Fleisch ist es allerdings anders. Das schmeckt mir einfach nicht mehr.

Zum „vegan Leben“ gehört grundsätzlich nicht nur die Ernährung. Der Begriff beinhaltet auch zum Beispiel Kleidung, Reinigungsprodukte und Kosmetik. Achte einfach mal auf die Inhaltsstoffe!

Wenn Du Dich dafür interessierst, wie Du neben veganer Ernährung Deine CO2-Bilanz verbessern kannst, lies meinen Artikel CO2-Ausstoß – So optimierst Du Deine CO2-Bilanz wirklich.

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