Desertifikation – Wie die Erde immer mehr zur Wüste wird

Desertifikation

Jedes Jahr veröden 70.000 km² der weltweiten Landflächen. Die Erderwärmung ist dabei aber nur eine Nebenursache. Stattdessen sind wir Menschen die Erzeuger dieser sogenannten Desertifikation. Vor allem in Entwicklungsländern holzen wir Waldflächen zugunsten der Landwirtschaft ab. Monokulturen und Viehzucht bewirken die Austrocknung der Böden.

Und weil das ehemals fruchtbare Land jetzt nicht mehr brauchbar ist, knöpft man sich die nächste Region vor, um die Familien zu ernähren. Zum Glück gibt es aber Lösungen und Initiativen, diesem Trend entgegenzuwirken.

Was ist Desertifikation?

Im Allgemeinen übersetzt man den Begriff mit Wüstenbildung. Diese Übersetzung ist jedoch nicht weitreichend genug. Deshalb definiert die UN-Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation den Begriff mit Bodenverschlechterung. Genau genommen ist demnach eine „Verringerung oder Verlust der biologischen oder wirtschaftlichen Produktivität und Komplexität“ gemeint.

Verantwortlich dafür ist der Mensch. Denn er nutzt die betroffenen Flächen zu intensiv. Dadurch beeinträchtigt er den Boden und die Vegetation zu stark. Kurzfristige Resultate sind Wassermangel, Versalzung der Böden und Erosion. Die Böden werden also unfruchtbar. Man nennt das Landdegradierung. Und langfristig trägt die Desertifikation zur Beschleunigung der Erderwärmung bei.

Wo gibt es Desertifikation?

40% der Landflächen auf der ganzen Welt sind von Desertifikation betroffen. Das sind 36 Mio km². Und Jahr für Jahr kommen 70.000 km² hinzu. Das sagt der Weltatlas der Desertifikation, eine Publikation der Europäischen Union.

Welche Länder sind am meisten von Desertifikation betroffen?

Dritte-Welt-Länder sind besonders betroffen von der Zerstörung ihrer Ressourcen durch Desertifikation. Das ist ein Teufelskreis, weil gerade am wenigsten entwickelte Länder zumeist ein starkes Bevölkerungswachstum haben. Durch das immer unfruchtbarer werdende Land leiden deshalb nicht nur notwendige Einnahmen durch Nahrungsmittelexporte, sondern vor allem die Versorgung der eigenen Bevölkerung.

30 – 40 % der Bevölkerung von Afrika (vor allem in der Sahelzone und Südafrika), Asien und Südamerika leben jeweils in von Desertifikation bedrohten Ländern. Wegen der anwachsenden Bevölkerungsentwicklung ist gerade auf diesen Kontinenten die Tendenz steigend.

Doch nicht nur den Menschen wird die Lebensgrundlage genommen. Auch andere Lebewesen sind betroffen. Dadurch nimmt Desertifikation auch einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Artenvielfalt.

Leider betrifft die Wüstenbildung nicht nur Entwicklungsländer. Auch in Südeuropa (insbesondere Spanien) dramatisieren sich die Zustände.

Entwicklung der Desertifikation

Quelle: dw.com

Warum gibt es in Deutschland keine Desertifikation?

Der regelmäßige Niederschlag in Deutschland hat uns bisher immer noch vor Wüstenbildung verschont. Statistiken des Deutschen Wetterdienstes besagen aber, dass sich die Trockenphasen in Deutschland in den vergangenen Jahren ausgedehnt haben. Zwar haben wir deshalb noch keine unmittelbare Bedrohung durch Desertifikation. Zu befürchten ist aber, dass die Wüstenbildung auch uns eines Tages erreicht.

Zu beobachten ist schon jetzt, dass Elbe und Rhein teilweise extrem niedrige Wasserspiegel haben. Focus-Online zitiert Professor Baumhauer von der Universität Würzburg „dass wir von Desertifikationsprozessen, wie etwa in Spanien, hier weit entfernt sind. (…Aber) auch in Deutschland kann es in Regionen mit sehr wenig Niederschlägen zu Abtrag und Verwüstung von Land kommen.“

Desertifikation

Bild: E. Nowak (Pixabay)

Wie entsteht Desertifikation?

Alles fängt damit an, dass wir die Böden überbeanspruchen. Das bedeutet: Man nutzt sie für die Landwirtschaft, obwohl sie sich dazu gar nicht eignen. Und falls sie doch als Acker geeignet sind, überfordern die Landwirte sie durch den Anbau von Monokulturen. Gerade der Einsatz von Pestiziden macht die Böden unfruchtbar.

Ganz entscheidend ist aber der hohe Wasserbedarf: Da die Landwirtschaft Unmengen an Wasser benötigt, sinken in den betroffenen Gebieten die Wasserspiegel in den Seen und Flüssen. Die Folge ist: Die Salzkonzentration in den Gewässern steigt an, was wiederum die umliegenden Böden austrocknet. Infolgedessen reduziert sich auch der Grundwasserspiegel.

Da die Landwirtschaft für die Einen ein lukratives Geschäft und für die Anderen lebensnotwendig ist, werden immer neue Waldflächen gerodet, um sie für Ackerbau und Viehzucht zu verwenden. Dadurch entziehen die Landwirte dem vormals fruchtbaren Land Nährstoffe. Diese Substanzverschlechterung nennt man auch Bodendegradation.

Es ist ein Teufelskreis: Weil die Flächen immer unfruchtbarer werden, muss man sie immer intensiver beackern.

Ursachen von Desertifikation

Auf die Frage „Wie entsteht Desertifikation?“ gibt es fünf Antworten, die jeweils in sehr engem Zusammenhang stehen:

  • Abholzung von Wäldern
  • Überweidung von Flächen
  • Überbenutzung von Böden
  • Bevölkerungsanstieg
  • Wasserverschwendung

Die Überbenutzung von Böden kann viele Gründe haben. Nutzen die Landwirte sie zum Zwecke der Viehzucht, kann es zu Überweidung kommen, weil die Tiere die natürliche Vegetation wegfressen.

Auch Ackerland braucht Regeneration. Wird es aber permanent bearbeitet, entziehen die Landwirte dem Boden Jahr für Jahr mehr Nährstoffe.

Während über mehrere Jahrhunderte eine große Pflanzenvielfalt den Untergrund bedeckten, pflanzen die Bauern heutzutage zunehmend Monokulturen an. Diese verlangen den Böden viel mehr ab. Zudem müssen sie oftmals auch künstlich bewässert werden, weshalb sie den Menschen und Tieren in der Umgebung unverzichtbare Trinkwasserquellen wegnehmen. Da die Bewässerung oftmals nicht effizient vonstatten geht, kommt es zu Wasserverschwendung.

Und was passiert, wenn das Land verödet ist? – Man muss neues Land erschließen. Dabei hilft die Abholzung von Wäldern. Denn diese fruchtbaren Böden kann man jetzt wieder landwirtschaftlich betreiben.

Den Rest erledigt der Bevölkerungsanstieg in den betroffenen Ländern. Denn je mehr Menschen ernährt werden müssen, desto mehr müssen die Landwirte ernten.

Folgen der Desertifikation

Das Ergebnis: Der Boden trocknet aus und wird locker. Die Folge daraus ist Erosion. Es wächst also nichts mehr darauf. Und weil man das Ackerland nicht mehr verwenden kann, roden wir weitere Waldflächen. Nichts bleibt zurück: Keine Pflanzen, keine Tiere.

Und deshalb siedeln natürlich auch die Menschen ohne eine gesicherte Lebensgrundlage um. Sie haben keine Wahl. Ist der Boden nämlich erst einmal im Zuge der Austrocknung verkrustet, ist ihm kaum mehr zu helfen. So müssen nach und nach immer mehr Menschen um ein geringer werdendes Angebot an fruchtbarem Land kämpfen. Und daraus resultieren Hungersnöte.

Das Tückische dabei ist: Das unfruchtbare Land breitet sich automatisch weiter aus. Denn der Wind verstreut den Sand auf benachbarte, fruchtbare Böden.

Desertifikation – Was kann man dagegen tun?

Es gibt Zusammenschlüsse, die gegen Desertifikation kämpfen. Dazu gehört auch die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die GIZ hilft auch durch finanzielle Unterstützung den betroffenen Entwicklungsländern auf politischer Ebene, Strategien zur Bekämpfung der Desertifikation zu entwickeln und umzusetzen.

Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung engagiert sich international gegen Desertifikation.

Hoffnung auf Besserung gibt vor allem aber die Agenda 2030, mit der die Vereinten Nationen auch Maßnahmen gegen Desertifikation vorsehen.

Das wohl bekannteste Projekt für Waldaufforstung und gegen Wüstenbildung ist „The Great Green Wall“ der Afrikanischen Union. Ziel ist es, bis zum Jahr 2030 einen 8.000 km langen Baumstreifen vom Senegal bis zum Horn von Afrika zu pflanzen. Um ein paar Eindrücke davon zu bekommen, schau Dir das nachfolgende Video an:

Nutztierhaltung ist also eine ganz entscheidende Ursache für Desertifikation. Tatsächlich wirkt sich die Viehwirtschaft noch viel weitreichender aus. Erfahre mehr in meinem Beitrag „Klimawandel Ursachen – Nutztierhaltung ist der Hauptgrund“.

Was weißt Du über Desertifikation

Es gibt eine ganze Menge, die ich trotz meiner Recherchen zum Thema Desertifikation noch nicht weiß. Vielleicht kannst Du mir oder anderen Lesern noch wichtige Infos dazu geben, die ich in diesem Beitrag gar nicht erwähnt habe. Oder möchtest Du einfach mal Deine Meinung zu dem Problem kundtun? Dann schreibe mir gerne einen Kommentar!