Tetra Pak oder Glaspfandflaschen? – Was ist nachhaltiger? Die Antwort erscheint zunächst offensichtlich, ist aber von mehreren Faktoren abhängig. Kartons sind leichter, einfacher zu lagern und können den Inhalt in der Regel länger haltbar aufbewaren. Doch lasst uns einmal schauen, was wir unserer Umwelt mit dem Tetra Pak Recycling antun!

Getränkekartonhersteller – Tetra Pak, SIG combibloc und Elopak

Zunächst die gute Nachricht: Die drei größten Getränkekartonhersteller Tetra Pak, SIG combibloc und Elopak machen regelmäßig ihre Produktionsverfahren vor allem in Form von Nachhaltigkeitsberichten öffentlich. Darin ist ersichtlich, dass der Großteil der Verpackungsbestandteile aus zertifizierten und kontrollierten Quellen stammt. Außerdem heißt es, die Recyclingquote wurde in den vergangenen Jahren erhöht.

Das Produktions- und Recyclingverfahren bei den Herstellern ist nahezu identisch. Wenn ich also nachfolgend von „Tetra Pak Recycling“ spreche, meine ich damit ebenso die Konkurrenzunternehmen.

Tetra Pak Bestandteile

Tetra Pak RecyclingDie Getränkekartons haben neben dem oftmals vorhandenen Plastikverschluss mehrere Schichten. Das Tetra Pak besteht zu etwa 3/4 aus Karton – also Holzfasern, die an sich biologisch abbaubar sind. Außerdem sind jedoch Aluminiumfolie und Polyethylen (also Plastik) enthalten. Alle drei Bestandteile erfüllen ihren Sinn. Denn nur durch diese Beschichtung ist die lange haltbare und robuste Verpackung der Inhalte möglich.

In meinem Artikel zum Plastik Recycling haben wir aber doch gelernt, dass in Recyclinganlagen eine strikte Trennung unterschiedlicher Materialien absolute Grundvoraussetzung für die Wiederverwertung sind. Wie also ist das Tetra Pak Recycling möglich? Warum haben die Getränkekartons angeblich eine so gute Ökobilanz?

Tetra Pak Recycling Verfahren

Für das Tetra Pak gibt es keine Pfandpflicht. Das hat der Gesetzgeber entschieden, weil die Recyclingquote der Verpackungen diese nicht notwendig macht.

Tetra Pak Recycling-Quote

Die seit 2019 außer Kraft gesetzte Verpackungsverordnung bezeichnete Getränkekartonverpackungen als „ökologisch vorteilhaft“. Damit konnte man den Verzicht auf die Pfandpflicht begründen. Im neuen Verpackungsgesetz existiert der Begriff „ökologisch vorteilhaft“ bereits nicht mehr. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Uneinigkeit in Bezug auf die Recyclingquote herrscht.

In den vergangenen Jahren hatte man den Anspruch, die Recyclingquote müsse mehr als 70 % betragen, damit die Verpackungen auch ohne Pfand auf den Markt gelangen dürfen. Bei diesen 70 % ging man allerdings nicht von allen verkauften Tetra Paks aus, sondern nur von denen, die nach Gebrauch die Recyclinganlage erreichen.

Mittlerweile backt auch die Firma Tetra Pak kleine Brötchen. Auf der Internetseite gibt Tetra Pak an, dass die weltweite Recyclingquote im Jahr 2018 gerade einmal 26 % betrug.

26 %???

Es wird nur jedes vierte Tetra Pak wiederverwertet? – Das sind gerade einmal 3 % mehr als die durchschnittliche Plastik-Recyclingquote in Deutschland!!! Das nennen die „ökologisch vorteilhaft“?

So gelangt der Getränkekarton in die Recyclinganlage

Dann schauen wir uns doch mal an, was nach seinem Gebrauch mit dem Getränkekarton passiert:

Tetra Pak RecyclingZunächst einmal gelangen 20 % aller recycelbaren Verpackungen nicht in den gelben Sack. Das liegt zum Einen an der Unkenntnis von Verbrauchern. Zum anderen ist es aber einfach vielen egal, was mit der Verpackung passiert. Und alles, was im Restmüll landet, kann nicht wiederverwertet werden.

Je nach Zustand der Verpackung landen weitere etwa 10 % der Verpackungen aus dem gelben Sack nicht im Recyclingvorgang, weil die Sortiermaschine sie nicht als wiederverwertbar identifizieren kann. Aber immerhin die meisten Tetra Paks werden dank Infrarottechnik erkannt.

Damit haben also nur ca. 70 % aller Tetra Paks die Chance wiederverwertet zu werden. Dass am Ende nur 26 % recycelt werden, hängt einerseits mit der weltweiten Abfallwirtschaft zusammen (lies dazu meinen Beitrag „Plastikmüll im Meer“). Andererseits liegt es an der aufwendigen Wiederverwertung der Getränkekartons

Tetra Pak Recycling – Der Prozess

In einem sogenannten Pulper, also einem Rührbottich, werden die Kartonfasern von den übrigen Bestandteilen der Verpackung getrennt. Bei der Mikrofolation wird der Zellstoff gereinigt und zu Wellkarton-Rohpapier verarbeitet. Daraus kann man beispielsweise Pizzakartons machen.

Das sog. Reject (Aluminiumfolie und Polyethylen) dienen als Brennstoff für Zementwerke. Damit stellt es einen Ersatz zu fossilen Brennstoffen dar. Dieser als „Energetische Verwertung“ bezeichnete Vorgang ist zumindest besser, als das Reject einfach so zu verbrennen. Trotzdem stelle ich mir unter Wiederverwertung etwas anderes vor.

Noch mal zusammengefasst: Das Recycling-Ergebnis von Tetra Paks sieht so aus, dass zumindest ein Teil des Zellstoffs für Kartons wiederverwertet wird. Der Rest wird verbrannt!

Und ganz nebenbei: Gerade in Südostasien wirst Du sowohl an Land als auch im Meer Unmengen an in Deutschland produzierten Tetra Paks wiederfinden.

Tetra Pak vs. Mehrwegpfand

Eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) geht der Fragestellung auf den Grund, ob Getränkekartons gegenüber Mehrwegpfandflaschen tatsächlich in Bezug auf die Umwelt so schlecht abschneiden.

Dabei wurden nicht nur die reinen Recyclingfaktoren, sondern auch der CO2-Ausstoß berücksichtigt.

Recycling

Mehrwegglas wird durchschnittlich 25 mal wiederverwertet, während Getränkekartons laut Herstellerangaben nur zu 26 % recycelt werden. Der reine Blick auf den Recycling-Prozess lässt Mehrwegpfand somit ohne Frage besser darstehen.

CO2-Ausstoß

Der Ifeu-Studie nach werden für die Produktion und den Transport weniger fossile Ressourcen in Anspruch genommen und dadurch weniger CO2 freigesetzt. Dies sei aber vor allem darin begründet, dass das Mehrwegpfandsystem vor allem bei Milchflaschen nicht ausreichend funktioniere. Wenn es mehr Abfüllorte gäbe, könnte man die Transportwege verkürzen.

Dennoch: Ob die CO2-Bilanz von Getränkekartons immer noch so gut aussieht, wenn man die energetische Verwertung berücksichtigt, wage ich zu bezweifeln. Es bleibt aber festzuhalten, dass jegliche Art von Verpackungsmaterial klimaschädlich ist.

Warum gibt es für Tetra Paks keine Pfandpflicht?

Dass das Tetra Pak ökologisch wertvoll ist, dürfte widerlegt sein. Somit sind für Politik und Industrie aus meiner Sicht zwei Alternativen denkbar:

  1. Pfandpflicht für alle Verpackungskartons: Damit könnte man zumindest die Recyclingquote erhöhen. Dies würde jedoch bedeuten, dass man mehr Pfandautomaten benötigt. Zudem gäbe es einen erhöhten Reinigungsbedarf und mehr Lagerfläche wäre notwendig. Darüber hinaus sind ohnehin weltweit unsere Recyclingkapazitäten erschöpft. Das heißt: Die Pfandpflicht für das Tetra Pak kostet erst mal gehörige Investitionen, die schlussendlich den Verbraucher und Steuerzahler treffen würden.
  2. Fokussierung auf Mehrwegpfand: Hierzu muss man aber ganz klar eingestehen, dass man vor allem Abstriche im Hinblick auf Haltbarkeit machen müsste.

Ich kann mir deshalb schon vorstellen, warum der Gesetzgeber sich nicht dazu durchringen kann, mal eben Pfand auf das Tetra Pak zu erheben. Aus diesem Grund müssen mal wieder wir als Verbraucher herhalten, um die Wende einzuleiten.

Tetra Pak Recycling – Lasst uns drauf verzichten!

Wir brauchen kein Tetra Pak Recycling, wenn wir unsere Produkte nicht mehr in diesen Getränkekartons kaufen. Zugegebenermaßen ist es teilweise aufwändiger. Ich will Dich auch gar nicht dazu bringen, komplett darauf zu verzichten. Aber ich möchte Dir einmal die Alternativen aufzeigen.

Tetra Pak RecyclingIn den meisten Haushalten wird das Tetra Pak für Getränke (vor allem Milch und Säfte) verwendet. Wenn Du Dich nach einer Verpackungsalternative umschaust, dann bitte nur Mehrweg-Glasflaschen. Bitte verzichte auf reine Plastikflaschen. Damit machst Du es nur schlimmer. Glasflaschen können die Getränke nicht so lange haltbar machen. Im Umkehrschluss kannst Du sie nicht in den Mengen lagern, die Du möglicherweise bis jetzt gewohnt warst. Unter Umständen musst Du die Getränke auch ungeöffnet von Beginn an kühlen.

Ich habe mich mittlerweile dran gewöhnt und die Umstellung war gar nicht so schwierig. Ich bin sicher, dass es Dir auch nicht sehr schwer fallen wird. Probier es aus!

Ich würde mich darüber freuen, wenn Du meinen Lesern und mir mit Deinem Kommentar weitere Anregungen geben würdest. Was gibt es noch für Alternativen zum Tetra Pak?

Das Recycling von Tetra Paks ist ein gesonderter Vorgang. Wenn Du mehr über Plastik Recycling wissen möchtest, empfehle ich Dir meinen Artikel „Plastik Recycling – Diese Verpackungen werden wirklich wiederverwendet“.

 

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